23 023 (023 023-5)

Galerie 287 im Ordner 17 “Lok-Portraits”

Die Neubaulok 23 023

<1> Ein Typfoto von 23 023 im Museum Dahlhausen, Mai 2026

Sie gehörte zum Neubau- Programm der Bundesbahn nach dem Kriege und wurde erst in den fünfziger Jahren gebaut, zählt also zu den jüngsten deutschen Dampflokomotiven. Die letzte gelieferte 23 war auch die letzte Dampflok der Bundesbahn überhaupt – Im Dezember 1959. Aber trotz ihres jungen Alters wurde unsere 23 023 schon im Jahre 1975 wieder abgestellt, da die Zeit der Dampfer bereits vorbei war. Sie kam aber nicht in den Hochofen, sondern wurde an niederländische Eisenbahnfreunde verkauft, die es geschafft haben, die Lok schon vier Mal (!) einer kompletten Hauptuntersuchung zu unterziehen, sodaß die Lok inzwischen sehr viel länger als Museumslokomotive unter Dampf steht, als sie jemals für die Bundesbahn gefahren ist. Aber sie war weitgehend “nur” in den Niederlanden unterwegs, wo sie kürzlich die Einrichtung und die Zulassung für das deutsche Netz bekam, was einen Einsatz auch in ihrem Herkunftsland wieder möglich macht. So hatte sie im Mai 2026 ein volles Programm am verlängerten Wochenende zu Christi Himmelfahrt, und dabei entstanden einige Bilder, die Anlaß waren für diese Galerie, die jedoch zusätzlich weit zurück reicht bis in ihre Plan- Einsatzzeit vor 50 Jahren, bitte schön, Vorhang auf für 23 023!

Ihre Daten sind HIER zu finden bei revisionsdaten.de

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Es waren drei harte vorgeplante Tage: Am 15. Mai kam sie mit einem Sonderzug von Rotterdam nach Mönchengladbach, wo sie verblieb, während der Zug mit einer historischen Ellok weiterfuhr in die Schweiz. Die Rückfahrt ab Mönchengladbach war für den 17. Mai vorgesehen, sodaß die Lok dazwischen am 16.05. eine schöne Fahrt rund durchs Ruhrgebiet machen konnte mit dem Ziel Museum Bochum- Dahlhausen und zurück nach Mönchengladbach

<2> Hier sehen wir den Zug nach Dahlhausen am Stellwerk “HOF” (= “Hohenbudberg Ost Fahrdienstleister” = HOF) im Westen von Duisburg. Den ersten Teil der Reise legte sie Tender voraus zurück, fuhr aber ins Gleisdreieck bei Rheinhausen zum Bahnhof Trompet zum umsetzen > Da ist der kleine Bahnhof Trompet wie eine Spitzkehre wunderbar geeiget, einen ganzen Zug mal eben zu “drehen”
<3> Der Heizer scheint gelassen und tiefenentspannt, was aber täuscht, alle waren hellwach auf Posten, und die Lok ein einziges Schmuckstück: Auch SO können im Einsatz befindliche Dampfloks aussehen = sauber und gepflegt
<4> Dann wollte ich nach dem umsetzen in Rheinhausen auf DIESEM Gleis die 23 knipsen im besten Licht, was aber DIESE kleine (in diesem Falle: dämliche) Diesellok 0001 502 zunichte gemacht hat, denn: Sie blieb stehen in Rheinhausen auf dem Sonnengleis und ließ sich über die Umfahrung dieses eigentlichen Streckengleises nach Duisburg dummerweise überholen, so ein Käse . . .
<5> Und so kam die 23 dann als Pechbild auf der Schattenseite bei mir und den anderen Paparazzi vorbei, wo doch das Gleis rechts im Bild perfekt ausgeleuchtet gewesen wäre für sie . . . aber da stand ja die doofe Diesellok . . . (Sorry, sonst ist sie gern gesehen, in diesem Falle aber gar nicht)
<6> Immerhin können wir dabei erkennen, daß die Lok am 24.05.2019 ihre letzte Untersuchung hatte, also leider von ihren acht Jahren schon wieder sieben verstrichen sind, im Mai 2027 ist eine neue HU fällig
<7> Ein paar Meter weiter in Oberhausen stand Michael Dammer, der aber keineswegs Pech hatte mit der Lichtseite, sondern bewußt die Schattenseite angesteuert hat, weil er das Motiv mit den alten Querträgern und der uralten Kilometertafel im Bild haben wollte
<8> Michael fuhr dem Zug hinterher und hatte ihn in Gelsenkirchen eingeholt: Er steht hier auf dem Bahnsteig Gelsenkirchen- Zoo neben der Ruhrgebiets- Autobahn “Emscherschnellweg” A 42. “Dampf” und “Ruhrgebiet” = Die beiden Begriffe gehörten einst zusammen wie Feuer und Flamme, heute ist es schwer, ein Motiv mit direktem Regionalbezug hinzubekommen > Michael ist es gelungen
<9> Der Zug hat dann eine große Runde über Dortmund gedreht, sodaß er in Wattenscheid- Höntrop nochmal erwischt werden konnte, und nun hatte Michael seine feine Sonnenaufnahme im Kasten. Danach ging es für den Zug und für Michael ins Museum Dahlhausen . . .
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<10> Natürlich sind alle Nasen wichtig, die dabei waren und für das Museum ist jede von ihnen willkommen. Wieviele es wirklich waren, ist auf diesem Bild zu erkennen. Manchmal allerdings können andere Fans auch stören im Bild, hier jedoch sind sie wichtiges Beiwerk
<11> Michael hatte Idee und Muße, ein ganz besonderes Motiv in Angriff zu nehmen, über das ich nur staunen kann und großen Respekt habe = Was für eine tolle Idee! Vorn steht der Klassiker der Modellbahn, die alte 23 von Märklin, die bei wohl allen Modellbahnern in der Schublade liegt. Und Michael hat sie mit der originalen 23 aufs Bild bekommen. Gratulation an Michael für dieses ausdrucksstarke Bild und für die Geduld, das Motiv ohne in diesem Fall störende Personen hinzubekommen
<12> Auch bei diesem perfekten Typfoto wie von einer Postkarte des Herstellers Jung hätten Personen leider gestört, Michael hat es geschafft, ein fanfreies Bild auf die Speicherkarte zu brennen
<13> Und wo wir gerade von ausdrucksstarken Bildern gelesen haben, gehört dieses farblose Schwarz-/Weiß- Bild sicherlich dazu. Dieses Motiv wurde perfekt für die Konvertierung in SW ausgewählt und erinnert an alte Zeiten, wo das heutige Museum ein richtiges Betriebswerk war
<14> Der Meister beim abölen – Ein klassisches Motiv, aber selten so fein umgesetzt wie von Michael
<15> Diese Bilder waren (für mich und sicherlich für viele unserer Leser) die Krönung des Ausfluges nach Dahlhausen
<16> Man muß schon gelenkig sein, um überall dranzukommen, was zudem daran erinnert, daß all das bei einer modernen Ellok nicht mehr erforderlich ist, da kann der Lokführer auch in Hemd und Krawatte antreten, bei einer Dampflok hingegen ist handwerkliche Kunst und “robuste” Kleidung gefragt
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Die Hinfahrt hatte ich mir nicht ansehen können wegen anderer Termine, und die Rückfahrt wollte ich eigentlich ebenfalls nicht ansteuern wegen der langen Anreise. Aber wegen des Pechbildes aus Rheinhausen mit der Schattenseite und der dort fehlenden Dampfwolke bin ich dann doch losgefahren am dritten Tag der Sonderfahrten: Die Ellok 110 350 war den ganzen Tag über unterwegs vom Süden nach Mönchengladbach, und ab dort hatte um 18.15h die 23 wieder den Zug übernommen für die immer noch über 200 Kilometer nach Rotterdam, der langjährigen Heimat der SSN und der 23 023:

<17> Bei leider schon schwindendem Licht erwischte ich den Zug in voller Fahrt bei Breyell zwischen Mönchengladbach und Venlo
<18> Dies ist dort eine eingleisige Hauptbahn, auf der auch ICE verkehren, aber Dampfloks nur ziemlich selten
<19> Wir schauen uns aber noch den Wasserwagen der SSN an, einen alten deutschen Postwagen. Und nun seht mal, was diese humorvollen Holländer aus dem alten Posthorn gemacht haben, das früher an dieser Stelle hing – Was für eine geniale Idee! Daneben die Wagennummer 51 84 92-99 658-5 NL-SSN, mit der man feststellen kann, daß es ein Bundespost- Wagen von 1975 ist, der in Salzgitter bei LHB gebaut worden war
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Na so . . . (Quelle: Wikipedia)

<20> Auch andere Wagen des Zuges waren durchaus interessant und haben ebenfalls deutsche Wurzeln, der Mitropa- Speisewagen sogar zur Reichsbahn der DDR. Der Pop- Wagen hat wahrscheinlich die Nummer 51 84 22-41 361-2 Bm NL-SSN, zu der ich aber keine Daten finden kann
<21> Auch der zweite Pop- Wagen mit der Nummer 51 84 22-40 759-4 Bm NL-SSN ist leider nicht auf Anhieb in der Wagendatenbank zu finden, dafür aber bei “Museumsfahrzeuge.de” = Er ist 1960 bei MAN gebaut worden für die Deutsche Bundesbahn
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Genau von der 23 023 habe ich zwei sehr alte Bilder im Archiv. Komischerweise habe ich von der Nummer 023 nur diese beiden Bilder, ansonsten ist sie mir nie begegnet. Und diese beiden Aufnahmen sind wahrscheinlich auch noch am selben Tag entstanden, aber mit unterschiedlichen Zügen:

<22> Zunächst sehen wir die 23 023 mit ihrer Computernummer 023 023-5 am Haltepunkt “Unterbalbach”, den es schon seit vielen Jahren nicht mehr gibt, der aber damals regelmäßig angefahren (und auch genutzt) wurde. Der Zug hatte hier gehalten und fährt gerade wieder los, bald wird er den Endpunkt Lauda erreicht haben in Schulferien des Jahres 1974 oder 1975, wann genau bleibt unklar, da ich keine alten Aufschriebe zur Hand habe
<23> Aber einige Zeit später kam sie wieder zurück in Richtung Crailsheim, ihrem Heimat- Bw. Diesmal fuhr sie in Unterbalbach durch ohne Halt, und wir erkennen, daß nun andere Wagen am Haken hängen: Im Vor- Bild sind es dreiachsige B3y- Wagen, hier aber vierachsige B4y (mit Packabteil), die häufig für Eilzüge verwendet wurden
<24> Aber ich habe noch ein paar Bilder mit 23erm, deren Nummern man auf die Entfernung nicht lesen kann, da dürfen wir gerne davon träumen, daß es die “023” sein könnte: Hier also ein “pfeiferauchender Regenwurm” in weiter Landschaft bei Lauda. So war das damals, als “Dampf” noch alltäglich war
<25> Oder hier der Beweis, daß auch im Plandienst häufig rückwärts gefahren wurde. Deutlich sind zudem die fünf Vierachser- Umbauwagen erkennbar (Typ B und AB4y), die zu dieser Zeit noch weit verbreitet waren in allen Regionen Deutschlands
<26> Sogar Doppeltraktionen kamen vor . . . oder eher Gelegenheitsvorspanne, um eine Lz einzusparen. Dieser kleine Personenzug war mit zwei 23ern sicherlich etwas “übermotorisiert”
<27> Das war so schön (und selten), da “mußte” ich damals ein zweites Negativ opfern
<28> Erst einige Jahre später traf ich die Lok wieder an, und zwar in Rotterdam, als sie bereits lange der SSN gehörte. Dieses Bild ist in Tagesrandlage entstanden und durch einen Zaun hindruch fotografiert, daher nicht ganz top, aber mit erkennbarer 23 023 im aufgearbeiteten Zustand
<29> Und wieder ein paar Jahre später traf ich sie bei ihrem großen Auftritt bei den Jubiläumsparaden der Niederländischen Eisenbahn “Nederlandse Spoorwegen NS” in Utrecht, das war Anno 1989
<30> Und im Jahre 2007 hatte sie einen weiteren großen Auftritt, und zwar ebenfalls im Museum Bochum- Dahlhausen: Dort waren im April 2007 alle fünf Dampf- Baureihen zusammengeführt worden, die bei der Bundesbahn nach dem Kriege noch gebaut worden waren
<31> Dabei durfte sie neben dem Edelrenner der Baureihe 10 stehen, die zwar erhalten ist, aber nie wieder fahrfähig wurde
<32> Und sie durfte in Dahlhausen neben der 65 018 stehen, neben der sie in Rotterdam ebenfalls jahrelang steht, denn die 65 gehört ebenfalls der SSN und wird in Rotterdam betriebsfähig gehalten, obwohl sie nie in den Niederlanden war zu ihrer Dienstzeit – Anders als die Baureihe 23, die an mehreren Grenzübergängen häufiger Gast im niederländischen Netz war
<33> Der Vollständigkeit halber zum Schluß das ganze Gruppenbild: Es waren diese fünf Baureihen dort vertreten = 10, 23, 65, 66 und 82 > Alle haben Baujahre in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts, alle sollten ältere Loks ablösen, aber ebenso alle hatten schlechte Karten, weil die Zeit der Dampfloks eigentlich schon vorbei war, woran auch moderne Dampfer nichts mehr ändern konnten = Keine von ihnen hatte eine lange Zukunft, Manche wurden nach weniger als zehn Jahren schon wieder abgestellt und verschrottet. Und so war und ist 23 023 eine der wenigen von ihnen, die sehr viel länger als Museumslok unterwegs ist, als sie planmäßig bei der Bundesbahn im Einsatz war . . . und das ist sie hoffentlich auch noch weitere lange Jahre . . . Allzeit Gute Fahrt und viele Grüße nach Rotterdam!
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Dank für Euer Interesse

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