Portrait 232 230

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Die Besondere Lok: 232 230

Was hat die 232 230 Besonderes? Gar nix für alle Anderen, aber GANZ VIEL für mich. Denn: Es kommt nicht oft vor, daß ein Lokschild-Sammler ein Schild einer Lok besitzt, die noch im Einsatz steht. Aber genau dies ist hier der Fall, seit ein verständnisvoller anderer Sammler mir die “230” vertauscht hat. Seitdem besitze ich (etwas stolz) das Seitenschild der DR/DDR-Lok 132 230, und vor wenigen Tagen konnte eine schon lange geplante Fotosession an der Lok umgesetzt werden.

Nachtrag: Die Galerie wurde nochmal umgebaut zugunsten eines alten Fotos, das freundlicherweise Helmut Philipp zur Verfügung gestellt hat (Vielen Dank dafür!) und das nun an der Spitze der Galerie thront – Welch ein genialer Vergleich: Zweimal die “230” aus derselben Perspektive, aber im Abstand von über 40 Jahren (!):

1# Bild 2023-1. 132 230-4 in Büchen (damaliger Grenzbahnhof BRD/DDR, also DB/DR-Übergang). Besten Dank an Helmut! Die Lok war am 27.07.75 erst in Dienst gestellt woden (in Wittenberge), sie ist also hier erst gerade mal 6 Monate alt und hat gerade die ersten Gebrauchtspuren, befindet sich aber noch im Lieferzustand – mit Ausnahme der Seitenschilder, die meiner langjährigen Ansicht nach nicht in Woroschilowgrad, sondern erst in der DDR angefertigt wurden, was FALSCH ist: Auch die Seitenschilder aus Aluguß wurden bereits beim Hersteller gefertigt und montiert, sehen aber ganz anders aus als die Frontschilder: Dies sind gewölbte Emailleschilder nach russischem Standard
2# Bild H4399. Zweiundvierzig (!) Jahre später: Dieselbe Lok, nun als 232 230-3, rollt mir in Duisburg-Hochfeld vor die Linse, und zwar in gleicher Perspektive wie damals beim Helmut in Büchen! Was für ein GENIALER Zufall !! Wie sehen einige Veränderungen der vielen Jahre, z.B. die geräuschgedämmten Lüfter und viele Kleinigkeiten. Und natürlich gibt es keine gegossenen Schilder mehr, sondern nur noch aufgeklebte Ziffern

Aber eines der Original-Schilder hat in Sammlerhand überlebt!

3# Bild B0404. Ein verständnisvoller Lehrlokführer erklärte sich bereit, als “Nummerngirl” zu fungieren und nach so langer Zeit wieder zusammenzuführen, was einmal zusammen gehörte, vielen Dank dafür!
4# Bild B0405. Aber auch ich selber durfte mit meinem Schild vor der Lok stehen
5# Bild B0408. War ein tolles Gefühl!
6# Bild B0410. So kam für ein paar Minuten wieder zusammen, was mal zusammen gehörte, aber natürlich ist dies nicht die Stelle, an der das Schild damals hing: Hier vorne war das russische Emailleschild befestigt, die “Seitenschilder”, bei denen Deutsche Reichsbahn und die Nummer in einem Stück gegossen waren, hingen an der Seite, nämlich genau hier . . . >
7# Bild B0415. Genau an dieser Stelle war das Schild damals befestigt mit vier Schrauben, die von innen verkontert waren. Die Lok war 1975 gebaut worden unter der Fabriknummer 0447 bei der “Lokfabrik Oktober-Revolution” in Woroschilowgrad in der UdSSR – Und dieses Woroschilowgrad heißt heute wieder (wie früher) Lugansk und liegt seit der Auflösung der UdSSR in der Ukraine, es ist genau die Gegend mit militärischem Einfluß Russlands, das die Ost-Ukraine “gerne” zurückhaben möchte. Die Lok war am 22.07.75 in Wittenberge für die DR abgenommen und in Dienst gestellt worden, zu diesem Zeitpunkt waren auch die Seitenschilder bereits montiert. Sie trug das Schild bis zum Januar 1992, also fast 17 Jahre lang, und das heißt: Das Schild befindet sich jetzt schon länger in Sammlerhand, als es jemals an der Lok befestigt war
8# Bild J17429. Und dies sind die beiden Schilder, die unter den beteiligten Sammlern getauscht wurden: Ich habe meine langjährig besessene 132 262 abgegeben gegen die 230, was eine Win-win-Situation für Beide war, denn die 230 lief bei mir “vor der Haustür” und die 262 in der Gegend des neuen Besitzers. Danke an dieser Stelle nochmals an den Sammler, der den Tausch 2017 ermöglichte! Nun hat die Lok noch Frist bis zum 21.04.22 und kann nochmal ein Jahr verlängert werden. Was danach kommt, steht noch in den Sternen . . .

Damit kommen wir zu ein paar Betriebsbildern der 230:

Und da gibt´s sogar ein sehr altes Farbbild Dank Helmut Philipp:

9# Bild 2023-2. Helmut hat die Lok damals sogar in Farbe aufgenommen, als sie in Büchen rangierte

Mir kam sie erstmals erst 2009 vor eine Linse, nachdem die Lok vom schweren Reisezugdienst abkommandiert worden war zum ebenso schweren Güterzugdienst im Ruhrgebiet:

10# Bild J04477. Das ist die älteste Aufnahme, die ich von ihr habe. Mir sind auch zu DDR-Zeiten schon viele 132/232 vor die Kameras gekommen, aber die 230 war nie dabei, daher habe ich selber keine Bilder in alter Farbgebung. Dieses Bild vom April 2009 zeigt die Lok nur wenige Tage nach der Umbeheimatung in den Westen, nachdem sie bisher nur im Osten unterwegs war (in Wittenberge, Schwerin und Halle/S). Hier kommt sie uns bei Ratingen-Tiefenbroich aus dem Angertal im Kalkverkehr entgegen, ein Dienst, den sie nun viele Jahre lang fahren wird
11# Bild 28350. Und weil ich selber kein altes Bild der 230 habe, zeige ich ein Bild der nächstliegenden Nummer im Archiv, das ist die 231, die ja genauso aussah wie die 230. Hier verläßt 132 231 im August 1988 den Bahnhof Blumenberg mit einem typischen DDR-Güterzug, der auch Westwagen enthält. Ich lasse die Aufnahme hier stehen, obwohl inwischen alte Bilder der 230 vorliegen
12# Bild 1200205. Unsere Lok bei ELOT, 26.09.16, wo sie quasi täglich anzutreffen war
13# Bild H6770. ELOT am 15.02.19 im Gegenlicht mit Frischstahl von HKM
14# Bild H9741. Auch Hochkant macht sie eine gute Figur (ELOT, 27.03.19)
15# Bild H7728. Und auch bei “Tante Mathilde” war sie mal zu Besuch . . . (Oberhausen, 29.03.19)
16# Bild A1572. Hier biegt sie in DU-Hochfeld ab nach HKM am 13.08.19
17# Bild A1916. ELOT, noch trägt sie die Railion-Werbung, 05.09.19
18# Bild A2175. Nach einem Signalhalt gibt sie wieder Gas, das erzeugt etwas Feinstaub (ELOT, 21.09.19)
19# Bild 1340456. Diesen “RAILION”-Schriftzug trug sie noch bis Anfang 2020 (Osterfeld, 10.11.18)
20# Bild A3605. Ein ganz ungewöhnliches Motiv bei ELOT, es “geht” nämlich nur nach einem radikalen Freischnitt. Wie hier am 12.02.2020, als die Lok mit einem Schwerwagen-Leerzug mal wieder nach HKM unterwegs war. Inzwischen wurde der Railion-Schriftzug entfernt
21# Bild A8145. Hier brummt sie mit einem schweren gemischten Zug durch ELOT, am sonnigen 10.11.20 (Ri. EMAF)
22# Bild A9834. Und mit dieser Abendlicht-Stimmungsaufnahme von 232 230 soll diese Galerie fürs Erste beendet sein. Hier kommt sie am 30. März 21 mit Stahlerzeugnissen von HKM, gesehen bei ELOT, Km 3,5

Es gibt noch ein paar Bonusbilder aus dem Innenraum der “230”:

23# Bild TM1. Markus hatte im Oktober 2019 die Gelegenheit, die 230 mal von innen zu sehen und hat hier den Arbeitsplatz des Lokführers dokumentiert. Dieser Arbeitsplatz ist für eine solche Riesenlok ganz aufgeräumt und kommt mit überraschend wenigen Bedienelementen aus
24# Bild TM2. Hingegen ist der Relais-Raum der Maschine in gegenteiliger Weise überraschend: Mit so vielen Relais, Schützen, Sicherungen und anderen Bauteilen (die alle mal kaputt gehen können . . .) haben wir wohl eher nicht gerechnet. Diese Kammer befindet sich auf einer Lokseite direkt hinter dem Führerstand
25# Bild TM3. Hier ein Detail aus dem Relais-Raum: Zwei dicke Schalteinheiten, die noch aus russischer Zeit stammen und wahrscheinlich unverwüstlich sind, wir sehen die kyrillische Beschriftung und erkennen z.B. unten rechts die Buchstaben “CCCP” = SSSR für “UdSSR” und wir sehen oben die “Freigabe” der DB vom AW Cottbus (= BCSX)
26# Bild TM4. Und das ist der Riesenmotor der 232 230. Ein Panzermotor, den es auch in einer Schiffsversion gibt. Ein Riesen-Diesel der Bauform Kolomna 5D49 = 16-Zylinder-Viertakt-V-Motor mit 14 Liter Hubraum und gut 3000 PS, der alleine 14,5 Tonnen wiegt! Und er ist nur an Bord, um Generatoren zu betreiben, mit denen Strom produziert wird, der wiederrum die elektrischen Fahrmotoren antreibt. Das Ganze nennt sich dann “Diesel-elektrischer Antrieb” und ist eine frühe Form von etwas, das heute Hybridantrieb genannt wird. Dank an Markus Tigges für diese vier Innenaufnahmen der 230!

Dank für Euer Interesse

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