Baureihe 605, der Diesel-ICE

Dies hier ist keine Bender-Galerie, sondern ein Album von einigen Betriebs- und Abstellaufnahmen diverser 605- Fahrzeuge außerhalb von Bender. Da aber zwischenzeitlich mehrere 605er in Opladen zerlegt wurden, habe ich diese Bilder hier unter dem Oberbegriff “Bender” einsortiert, denn hier findet sich für etliche Fahrzeuge der letzte Abstellplatz Mukran auf der Insel Rügen; Von dort aus kamen auch alle bisher bei Bender zerlegten 605, mindestens zwei weitere 605er sind zudem in Espenhain zerlegt worden und einer wurde von Benderleuten in Hagen entsorgt, davon habe ich aber keine Bilder.

Was ist das denn? Ein ICE-Zug ohne Stromabnehmer?

JA !

Es wird in Zukunft Verwunderung auslösen, wenn man hört, daß es mal ganz normale ICE-Züge gab mit allem üblichen Komfort, die DIESEL-getrieben waren und trotzdem 200 km/h schnell waren. Das waren hochmoderne und hochtechnisierte Züge auf der Höhe der Zeit, sie hatten ursprünglich sogar eine “gleisbogenabhängige Wagenkasten-Steuerung” (mit der sie wesentlich schneller als normalerweise erlaubt durch Kurven fahren konnten, weil der Schwerpunkt verlagert war). Aber die deutsche Eisenbahn tat sich von Anfang an schwer mit ihnen, denn: Sie brauchten etwas Pflege und Wartung – komisch eigentlich. Brauchen andere Züge das nicht? Nun, andere Züge waren etwas preiswerter, weil sie in größerer Zahl vorhanden waren und sich die Ersatzteilbevorratung lohnte, die Dieselzüge waren eine Splittergattung mit Sonderbehandlung und völlig anderen Wartungsmodi als Elektrozüge – und das war teurer. Es war der Bahn schlicht zu teuer, daher wurde schon früh die Wagenkastensteuerung abgeschaltet und so wirklich in einen sinnvollen Einsatz kamen diese Züge nie. Ein sinnvoller Einsatz wäre zum Beispiel der Syltverkehr gewesen, man hätte in Doppeltraktion mit 170 km/h über den Hindenburgdamm fegen können und Fahrzeiten sowie Komfort signifikant verbessern können – wenn man gewollt hätte, es gab nicht einmal Probefahrten. In den letzten Jahren gab es in Kooperation mit der dänsichen Staatsbahn einen Intercity-Einsatz zwischen Hamburg und Kopenhagen, aber auch der wurde nach wenigen Jahren wieder eingestellt, weil die Züge zur Revision anstanden und Dänemark dafür genauso wenig bezahlen wollte wie wie DBAG. So rollten diese stolzen Züge nach und nach aufs Abstellgleis und mehrere gingen in den Schrott – dies aber noch abseits der Öffentlichkeit, was sich nun geändert hat: Für Alle sichtbar wurden nun zwei Züge vom Abstellplatz Mukran (Insel Rügen) nach Opladen zum “Verwerter ihres Vertrauens” überführt, die beim Bender zerlegt werden. Nur ein einziger Zug befindet sich zu dieser Zeit noch im Betriebsbestand: Er gehört einer DB-Tochter, die Messfahrten mit ihm veranstaltet ohne Fahrgäste. Ein zweiter Zug wird aufbewahrt als Ersatzteilspender für diesen Messzug, der Rest wird nach und nach wohl verwertet, womit wieder mal eine zukunftsweisende Fahrzeugbaureihe die Schienen verläßt, die bei sinnvoller Planung auch sinnvoll hätte eingesetzt werden können. Die Zerlegebilder vom Bender finden sich in einer separaten Galerie in diesem Album, hier zunächst mal eine kurze Übersicht über diese Züge, die mir außerhalb vom Bender vor die Kamera geraten sind nebst ein paar zur Verfügung gestellten Aufnahmen, hier also ein paar Bilder aus der Einsatzzeit und der Abstellzeit der Baureihe 605. Bitte sehr:

Hinweis: Die Bilder sind nicht nach Datum, sondern nach Ordnungsnummern sortiert

Hier steht ein unerkannt gebliebener 605 in Lübeck bereit als ICE 33 nach Kopenhagen. Ein ICE ohne Stromabnehmer
Hier haben wir den 605 003 (Tz 5503) im “Stillstandsmanagement” Mukran auf Rügen, zur Verfügung gestellt wie einige noch folgende Aufnahmen von Christoph Heide, vielen Dank dafür!
Am Grafitto sofort erkennbar: 605 004 in Mukran, fotografiert am 03.07.20 von Christoph Heide
Dies ist die älteste Aufnahme, die mir zur Zeit vorliegt: Der 605 006 in der Zeit seines Einsatzes (im Jahre 2003) auf der Franken-Sachsen Magistrale Dresden- Zwickau- Hof- Nürnberg
Mir persönlich begegnete er erstmals im Jahre 2005 (August) in München, als zumindest dieser Triebzug, der 006, schon nicht mehr im Planeinsatz war, sondern im Probe- und Testeinsatz, der sich über Jahre hinziehen wird
Da steht ein toller ICE am Bahnsteig und die Bahn weiß nix mit ihm anzufangen
Hier sehen wir, daß er für 200 zugelassen ist und in Deutschland, der Schweiz und Österreich hätte fahren dürfen – wenn man ihn gelassen hätte
Ds nächste mal traf ich den 605 006 in Hamburg an: Nun gehörte er zu den Dänemark-Fahrern in einer Kooperation mit der Dänsichen Staatsbahn, die auch für das Design dieses Triebzuges verantwortlich war: Versuchsweise und um die dänische Zusammenarbeit etwas deutlicher herauszustellen, wurde der 605 006 dem dänischen Farbsystem ganz grob angepaßt durch eine blaue aufgeklebte Folie, die auch die anderen Kopenhagen-Triebwagen bekommen sollten, es blieb aber bei diesem Einzelstück, welches nun (= 2020/09) beim Bender in Opladen gelandet ist
Hier kommt der 605 006 aus Kopenhagen in Hamburg an (leider im Regen) und konnte an dem seltsamen Motiv mit den zwei völlig unterschiedlichen Kilometer-Tafeln festgehalten werden (siehe ganz rechts und ganz links! Da gehört die 0,2 zur S-Bahn und die 286,4 zur Fernbahn)
Einige Zeit ein vertrautes Bild in Hamburg: Der Diesel-ICE nach Dänemark
Er fiel in Hamburg nicht mehr besonders auf, der 605 006, obwohl er mit dieser Maskierung ein Einzelstück war, ein Exot
Der Zug endet hier. Genau! Hier endet der Zug, nämlich in Opladen. Im September 2020 ist für ihn die Reise endgültig zu Ende und er wird dem Rohstoffkreislauf wieder zugeführt.
Im Jahre 2016 war die Reise aber noch nicht zu Ende, der durfte noch einige Male die Runde nach Kopenhagen drehen. Hier fährt er gerade wieder raus in Hamburg und passiert dabei seinen Elektro-Bruder, den 411 053. Dieser Triebwagen ist genauso aufgebaut wie der 605, hat dieselbe Karosserie
Einen weiteren 605 konnte ich seinerzeit in Hamburg antreffen, nämlich den 605 007. Er kam ebenfalls aus Kopenhagen
Hier die Beweisnummer und wieder das Hoheitssymbol der Dänen
Er blieb solange am Bahnsteig stehen, daß ich auch das Motiv von unten noch schaffte . . .
. . . und das Detailbild dies deutlich sichtbaren Auspuffs, sowie des Weihnamens: Dieser SVt hiess “Arhus”
Hier verläßt er Hamburg wieder auf dem Weg nach Norden
Für den unbedarften Beobachter stellte der SVt keinen Unterschied dar zu den anderen ICE-Zügen, die an großer Zahl Hamburg anliefen
Auch den 605 007 hat Christoph Heide in Mukran angetroffen, gemeinsam mit 605 005 und 006, nebst vielen anderen abgestellten Fahrzeugen
Nun haben wir den 605 011, ebenfalls in Mukran am 03.07.2020 (Christoph Heide)
Und 605 012, der, der von allen abgestellten optisch noch den besten Eindruck machte, jedenfalls am 03.07.20
Dies ist der 605 015 in Mukran, an den Fotografen nur mit großer Mühe herankommen, Grafittikünstler aber offenbar zu jeder Zeit
Und noch den 605 016 hat Christoph Heide in Mukran angetroffen
Der nummernmäßig nächste 605, der vor meine Kamera geriet, war ausgerechnet der 017, der als Einziger heute noch im Einsatz steht (Stand 2020/09). Hier steht er anläßlich einer von Hunderten Probefahrten in München Hbf, August 2005
Hier die Beweisnummer und wieder die Info, daß er in D, A und CH zugelassen ist/war
Er stand mehrere Stunden dort in München mit laufenden Motoren, ohne daß irgendeine Aktivität erkennbar war
Vom 605 017 (schon im Sondereinsatz in eleganter grauer Farbgebung) hat Christoph Heide eine Betriebsaufnahme zur Verfügung gestellt: Sonderzug “ICE 74471” von Chemnitz nach Nürnberg (im Dezember 2018)
Das war das nächste mal, daß ich ihn sah: Nun ist er gepflegt, etwas anders lackiert, privat für eine DB-Tochter unterwegs und als “Advanced Train Labor” gekennzeichnet. Wieder macht er das, was er seit Jahren machte: Probefahrten, diesmal aber mit Sinn. Hier kommt er im Juni 2019 nach Neuwied, um dort zu tanken, bevor er wieder Richtung Osten entschwindet
605 017: In diesem Zustand eine Augenweide!
Der Nachschuß in der Einfahrt von Neuwied/Rhein
Hier steht er an der Tankanlage in Neuwied
Der Fahrdienstleiter hatte nix dagegen, daß die wenigen Fotografen ein Gleis überschritten: Er stand neben uns
Und dies war nummernmäßig wiederum der Nächste, den ich sah, da war er noch fast neu – Und was macht er? Probefahrten. Hier ist er unterwegs auf dem Siemens-Testring in Wegberg-Wildenrath am Niederrhein, es ist der 605 018
Und hier ist gut erkennbar, wie ich an Bilder aus dem “Fort Knox” der Eisenbahntechnik gekommen bin: Es war ein Tag der offenen Tür im Juli 2002
Das war die nächste Begegnung mit dem 605 018. Und was macht er . . . – Probefahrten! Er hat in seinem Leben mehr Probefahrten absolviert als Fahrgastfahrten
Er war zwar hier mit eigener Kraft angekommen, bewegte sich aber nicht mehr vom Fleck. Dafür wurden über Stunden Andockversuche unternommen, was bei Minustemperaturen im Januar 2006 nicht ganz so angenehm war
Diese Lok, die 111 003, war mit einer Adapterkupplung ausgerüstet und wurde andauernd angekuppelt und wieder abgehängt, sie fuhr immer wieder hin und her. Das wird sicher einen Sinn gehabt haben, aber mir erschloß er sich nicht
Immerhin konnten dabei ein paar Bilder entstehen, dann mußte ich mich aber wieder irgendwo aufwärmen
Und genau diesen 605 018 traf ich in Hamburg wieder, diesmal im Oktober 2016. Hier kommt er als ICE aus Kopenhagen
Die Beweisnummer darf natürlich nicht fehlen
Und diesmal gabs sogar etwas Sonne in Hamburg
Und ein Zuglaufschild gabs auch in Hamburg, wir sehen, er kam als ICE 38 und fuhr als ICE 35 wieder nach Kopenhagen zurück
Hier mal mit seinem Umfeld im Hamburger Hbf. Niemand nahm von ihm Notiz oder nahm überhaupt bewußt wahr, daß dies ein Diesel-ICE ist
Er steht wie jeder andere ICE am Bahnsteig
Dann kam der Zufall ins Spiel und bescherte mir (und damit Ihnen, lieber Besucher!) den direkten Vergleich zwischen den beiden Baureihen, die sich nur nur die Antriebsart unterscheiden, die Karosserie ist identisch! Lediglich am Ausschnitt für das Drehgestell ist an dem 605 etwas gefeilt worden, der sieht irgendwie “unfertig” aus, da wirkt der 411 075 etwas eleganter
Und mit diesem Bild von der Ausfahrt aus Hamburg enden meine Bilder hier, es kommt aber noch ein Bonus von Christoph Heide:
Denn auch den 605 018 hat er in Mukran an seinem Abstellplatz angetroffen und knipsen können. Vielen Dank an Christoph Heide für die Ergänzung dieser Galerie mit den ganzen Aufnahmen aus Mukran (Insel Rügen) !

Dank für Euer Interesse.