Version 08 05 26 mit 44 Bildern (in neuer Bearbeitung)
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Die Natur holt sich das Betriebswerk zurück:
Das Biotop um Wasserturm und Drehscheibe
In Duisburg-Wedau gab´s mal einen großen Rangierbahnhof, der seit 2021 neu bebaut wird mit einem Luxus-Wohnviertel, das sich stark von der Eisenbahn abgrenzt. Zum ehemaligen Bahngelände gehörte auch ein Bahnbetriebswerk, in dem bis 1977 Dampflokomotiven beheimatet waren, mit einem Wasserturm, der Lokomotiven und Bw mit Wasser versorgte. Ein zweiter Wasserturm näher am Bahnhof Wedau sorgte für den Rbf und für die Eisenbahnersiedlung. Wedau war eine reine Eisenbahnsiedlung, die aktuell ihren jahrzehnte alten Nimbus abstreift und neu aufgestellt wird.
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In den 2020er Jahren . . .
. . . sind die beiden Wassertürme und ein einsames Stellwerk die einzigen überlebenden Zeugen der Eisenbahn-Vergangenheit und um sie herum hat sich auf der einen Seite ein Neubaugebiet gebildet, auf der anderen ein Biotop, von dem hier die Rede sein soll. Zusätzlich gibt es ein paar Bilder aus alter Zeit und als Bonus auch noch Fotos von einem Kletterversuch im Jahre 1999 auf den schon damals baufälligen ehrwürdigen Wasserturm. Wir beginnen die Galerie mit Bildern vom Ist-Zustand im August 2020, bitte schön:
<1> Das ist er: Der Wasserturm vom ehemaligen Bw Duisburg-Wedau im Jahre 2020. Vom Lokschuppen ist Nichts mehr zu sehen, das Umfeld ist weitgehend plattgemacht und der Natur überlassen = Mit diesem Teil des alten Bahngeländes gibts vorläufig keine “neue” Zukunft wegen des Verdachts und des damit verbundenen Risikos in Bezug auf Altlasten im Boden<2> Heute wäre es lebensgefährlich, ihn nochmal zu beklettern. Es hat den Anschein, als wolle man abwarten, bis er von selbst zusammenfällt, an eine dauerhafte Erhaltung scheint keiner zu denken ( . . . was wohl monetäre Hintergründe hat). Aber es ist auch lange nicht deutlich geworden, ob der Wasserturm in die Planungen der neuen Siedlung der Gebag mit einbezogen wird oder nicht; Nun wissen wir, er wird NICHT einbezogen<3> Die Wasserkugel des einstigen Turmes mit der Überraschung: ein lebensmüder Grafittikünstler hat den Aufstieg offenbar geschafft und war sogar (völlig unverantwortlich!) auf der oberen Bühne (Vergleiche mit meinen Kletterbildern weiter unten)<4> Daneben lag Anfang der 2020er Jahre noch immer die Drehscheibe im Dornröschenschlaf, zugewachsen von allen Seiten, mit Wasser gefüllt – ein Biotop eben, zeitweilig waren sogar Fische darin. Wenn man die Szene weiter unten mit alten Bildern vergleicht, fällt es etwas leichter, sich die Vergangenheit vorzustellen<5> Zwischen der Drehscheibe und dem Turm stand früher noch der Lokschuppen, heute geht der Blick frei hinüber und wir wissen nicht, wie die Zukunft hier aussehen wird, hier muß erstmal Gras drüberwachsen (im wahrsten Sinne!)<6> Wir werden sehen, ob das Gelände eine Zukunft bekommt oder unter “neuer” Natur verschwindet<7> An dieser Stelle entstand in den Neunzigern das bekannte Werbevideo von RioGrande (Joachim Schmidt), in dem Manni Kantel eine Videokassette aus dem See angelt . . .<8> Es wäre schade, wenn alles hier Sichtbare Platz machen müßte für neue Häuser oder moderne Grünanlagen, anderererseits: Was sollte man damit machen? Hat Jemand eine Idee ??<9> Jetzt schalten wir um in die Vergangenheit<10> Es gibt noch (wenige) Übereinstimmungen!<11> Dies ist dieselbe Drehscheibe! Nur sind wir jetzt Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts unterwegs. Die 050 003 ist gerade nochmal aufgehübscht worden für eine Sonderfahrt, was ihr aber auch nicht mehr helfen wird: Sie wird in Kürze abgestellt und wandert in den Hochofen, sie wurde leider nicht erhalten, obwohl sie hier einen topfitten Eindruck macht. Sie sah SOOO gut aus, daß ich ihr zu Ehren extra noch einen Farbfilm eingelegt hatte, wo ich zu dieser Zeit sonst immer noch vehementer schwarz/Weiß-Fotograf war, daher verschwindet nun die Farbe der weiteren Bilder wieder . . .<12> So sah es einmal aus Mitte der Siebziger! Die Grube ist natürlich noch nicht mit Wasser vollgelaufen und die “Spinne”, die Fahrleitungskonstruktion für E-Loks ist natürlich in Betrieb und permanent unter Strom (15000 Volt 16 ⅔ Hz)<13> Von den hier zu sehenden drei Dampfern hat wenigstens eine bis heute überlebt: Die links stehende 053 075 war viele Jahre lang Denkmal in Ratingen und gehört heute zum Bestand des Eisenbahnmuseums Bochum-Dahlhausen, das vordere Nummernschild hingegen hängt gern und täglich gesehen an meiner Wand<14> Hier zu einem anderen Zeitpunkt die 050 003 vor dem Schuppen, jetzt sieht sie nicht mehr so fein aus, sie trägt nun keine Ausgehuniform mehr<15> In den Jahren 1975 und 76 war immer noch Betrieb in Wedau, der Dampflokabschied kam dann zum 17. Februar 1977, dann war endgültig Schluß und auch der Wasserturm hatte bald darauf ausgedient. Die moderne Ablösung der Dampfer steht schon in den Startlöchern: Siehe die 216 rechts<16> Und hierhin gehört dann eines der schönsten Bilder, die mir damals gelangen (wie ich finde). Die heute noch existente 053 075 mit ihrem Wannentender ist deutlich sichtbar. Aber damit verlassen wir die alte Vergangenheit wieder und springen ins Jahr 1999 zu einer besonderen Veranstaltung – und POFF . . .<17> 1999 im Juni. Das Gelände ist längst aufgegeben und sich selbst überlassen. Es verfällt zusehends. Da kam der Fotograf auf die Idee, ein Bild der alten Zeit mit dem aktuellen Zustand zu vergleichen und wir sehen: Noch ist die Szenerie wiedererkennbar!<18> Noch kann man sich vorstellen, daß hier einmal Lokomotiven gestanden haben, die Natur beginnt erst langsam, alles wieder zurückzuerobern<19> Auch dieses Bild aus 1999 eignet sich zum direkten Vergleich mit den Bildern vom Anfang der Galerie und es zeigt die filigrane Gestaltung der Fahrleitungs-“Spinne”, die zu dieser Zeit noch voll erhalten war (und später von Metalldieben “sichergestellt” wurde)<20> Aber bereits 1999 war die Drehscheibengrube vollgelaufen mit Regenwasser. Nicht ganz klar ist, warum sie eben nicht ganz VOLL gelaufen ist . . . es muß einen Überlauf geben, der weiteres Wasser ableitet und der offenbar bis in die Neuzeit funktionsfähig ist<21> Die Bedienungseinrichtungen in der Wärterkabine sahen noch vollständig aus. Und wir sehen eindeutig noch etwas ganz Anderes: Die Wärterkabine der Drehscheibe stand 1999 genau anders herum als heute, nämlich um 180° gedreht! Das heißt: In dieser Zeit und mit vollgelaufener Grube muß die Scheibe nochmal BEWEGT worden sein!? Eigentlich unmöglich, aber die Bilder beweisen es (= vergleiche Bild 8!)<22> Und auch der Schuppen war noch in Gänze erhalten, wenn auch marode (insbesondere das Dach). Es gab Bestrebungen, ihn zu erhalten oder zumindest die grundlegende Stahlkonstruktion zu bergen und weiterzuverwenden, aber letztlich wurde alles abgerissen und entsorgt <23> Da sind wir wieder beim Wasserturm und sehen die Schuppen-Rückwand und damit kommen wir auch zum eigentlichen Grund für diese Aufnahmen aus 1999 . . .<24> Die Firma KIBRI hatte genau den Wedauer Wasserturm im Modell nachgebildet und hier der Presse präsentiert!<25> Die offizielle Präsentation des Modells vor der versammelten Bahnpresse fand genau am Original in Wedau statt, dafür war das Umfeld in den Tagen vorher etwas bereinigt und freigeschnitten worden<26> Und so zwei oder drei Wagemutige dachten etwas zu lange darüber nach, ob man nicht mal einfach den Versuch unternehmen solle, den Wasserturm zu besteigen!? Einer meinte “Feigling!” – traut sich ja doch keiner . . . und schon waren zwei Figuren gemeinsam mit Spinnen im Treppenhaus . . .<27> Ich war dabei! Allerdings mit mulmigem Gefühl und wackeligen Knien. Ganz vorsichtig und auf jeden Tritt achtend ging es aufwärts<28> Das Treppenrohr mit der Wendeltreppe war völlig dunkel und unangenehm, voller Spinnweben. Nur das Blitzlicht der Knipsmaschine brachte etwas Erleuchtung – und einige Rostlöcher, ohne die der Aufstieg unmöglich gewesen wäre<29> Jetzt sind wir fast oben angekommen. Dies dürfte ein Zufluß von Hiilfsmitteln wie Wasser-Enthärter gewesen sein, das dicke Rohr ist der Hauptablauf aus dem Wasserbehälter<30> Und siehe da: Wir waren oben! Unten klapperte unbeeindruckt eine 140 mit einem Güterzug vorbei<31> Und auch die Drehscheibe war natürlich von oben gut sichtbar, es ist genau die Drehscheibe aus den ersten Bildern des Beitrages oben!<32> Da war ich ja doch etwas stolz, daß ich diesen Aufstieg geschafft hatte! Es war die letzte Chance<33> So nah würde ich nie wieder an den Wasserkessel des Turmes herankommen. Wir sehen einen noch genieteten Flicken und eine schon geschweißte Reparatur und ansonsten die wunderbar sauber und akkurat genietete alte Stahlkonstruktion > Überlegt mal, welcher Aufwand da damals getrieben wurde<34> Es war möglich (allerdings gefährlich), einmal ganz herumzulaufen, aber man mußte sich bei jedem Schritt gut festhalten am Geländer und jeden Tritt vorher auf Festigkeit prüfen<35> Dann war der Blick frei auf das Gesamtbild des Bw Duisburg-Wedau im Zustand des Jahres 1999! Man sieht deutlich, daß es zwei Schuppenteile gab, die vor dem Kriege mal miteinander verbunden waren. Heute ist alles verschwunden und von Natur überwuchert. Auf einem Vergleichsbild von heute würde man nur grüne Natur sehen und einen Lagerplatz einer der Baufirmen, die demnächst für neuen (natürlich unbezahlbaren) Luxus-Wohnraum sorgen<36> Und dies ist das Gelände (im Zustand von 1999), das aktuell gerade neu bebaut wird von der Gebag. Wir sehen, daß es zu dieser Zeit noch teilweise von der Bahn genutzt wird und wir sehen als Orientierung im Hintergrund den zweiten Wedauer Wasserturm, der ebenfalls heute noch existiert und der aktuell einsam in weiter Fläche steht
Dazu eine Riesen- Überraschung:
<37> Im Stadtarchiv Duisburg schlummert ein Foto aus dem Jahre 1977 mit exakt derselben Perspektive – klar, weil es vom selben Standort gemacht wurde: Vom Wasserturm! Unten links steht handschriftlich “Bahnhof Du- Wedau 1977“, aber es ist unerklärlich, wieso das noch 1977 in altdeutsch geschrieben wurde<38> Nochmal ein Blick von oben auf die Drehscheibe, mit der dieser Beitrag begonnen hat, dann machen wir uns wieder an den Abstieg<39> Zustand des Wasserturms im März 2026: Direkt neben ihm wurde eine gewaltige Sichtschutzwand hochgezogen, die das Bahngelände vom Baufeld für “hochwertigen Wohnraum” ein für allemal abgrenzt, mit “Eisenbahn” will hier Niemand was zu tu haben . . . vergessend, daß ALLES ehemailiges Bahngelände ist . . .<40> Die Reste der alten Drehscheibe sind auch im März 2026 noch sichtbar im winterlich aufgelockerten Dickicht<41> Nein, der Wasserturm ist nicht verschwunden, er steht nun hinter uns, das ist der Blick nach Süden<42> Er steht in einem doch eher morbiden Umfeld, der Wasserturm<43> Im Gegensatz dazu ist östlich des Neubaufeldes die Güterzughauptstrecke Rotterdam- Brenner noch erhalten und Tag und Nacht in Betrieb, hier also ist die hohe Wand als Abgrenzung zum Baufeld nachvollziehbar und vielleicht sogar etwas sinnvoll<44> Dies ist (südlich vom alten Bw und dem Baufeld) die letzte noch verbliebene Nutzung als Bahngelände: Dort hat “DB infraGo” eine Unterhaltungs- Werkstatt für ihre Bahnfahrzeuge
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Dank für Euer Interesse
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