G017 Die 103 222

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Galerie 017: “Die Graue Maus 103 222”

Die ehemalige DB-Lok 103 222 vom Baujahr 1973 gehört schon seit 1989 zur “DB Systemtechnik” in Minden und hatte dort zeitweilig einen anderen Namen als “Dienstfahrzeug”, nämlich 750 003 (= von 1989 bis 2005). Sie gehört zu den wenigen 103, die mir zu ihrer DB-Zeit leider nie begegnet sind, aber es sind ein paar Bilder vorhanden, die bereits wieder historisch sind, denn: Schon seit 2014 gehört sie zu RailAdventure (München) und wurde von ihrem schönen klassischen Oufit weinrot/beige umlackiert in die graue Farbgebung von RADVE, die ihr ein ganz eigenes Erscheinungsbild gibt als “Graue Maus” – aber durchaus auch als graue Eminenz! Hier eine Auswahl dessen, was im Laufe der Jahre zusammengekommen ist, beginnend mit den älteren Bildern:

Bild DIG34170. Dies sind die ältesten Bilder, die ich im Archiv habe von ihr. Sie sind beschriftet mit März 1998, aber da die hier zu ahnende Untersuchung bereits zum 26.02.98 abgeschlossen wurde, könnten die Bilder auch schon vom Februar sein, möglicherweise war die Lok aber auch noch ein paar Tage bis Anfang März im AW in Opladen. Jedenfalls steht sie hier frisch lackiert als 103 222 in der Prüfhalle des AW Opladen, welches sie als 750 003 erreicht hatte. Und diese 750er-Nummer wird sie in Kürze auch wieder tragen, da war das AW etwas voreilig . . . was letztlich durch einige glückliche Zufälle dazu führte, daß ich eines der gerade neu gemachten Lokschilder “103 222” bekommen konnte für meine Sammlung, bei dem zu allem Überfluß auch noch die Nummer “222” auf der Rückseite eingeschlagen ist – ein Merkmal, das ich lange Zeit dem Hersteller Krauss-Maffei zugeschrieben hatte, aber es ist inzwischen eindeutig, daß auch im AW Opladen später noch Schlagzahlen angebracht wurden, da diese Schilder eigentlich gar keine “Lokschilder” in diesem Sinne waren, sondern konstruktive Bestandteile der Karosserie, was gleich noch näher erläutert wird
Bild DIG34171. Die Lok von der anderen Seite im AW Opladen, an der Seite ist 103 222 erkennbar und die vier Schraublöcher für das Nummernschild. Das Lokschild erfüllt einen wichtigen Zweck: Genau berechnet verdeckt das Schild den Lufteinlaß für die Klimaanlage der Elektronik der Lok und läßt genau nur soviel Fahrtwind hinein, wie von den Konstrukteuren in langen Versuchen für richtig erachtet wurde. Dazu ist das Nummernschild mit einem berechneten Abstand montiert und hat an der oberen Hinterkante einen angebrachten Rand, der dort ein Wiederaustreten der Luft verhindert, sodaß die Fahrtluft von unten und von den Seiten eintreten kann
Bild DIG34172. Hier ist der Lufteinlaß nochmal deutlicher zu sehen, im nächsten Bild noch näher, und wie ein solches Nummernschild aussieht, seht Ihr ebenfalls gleich bei den nächsten Bildern
Bild DIG07339. Hier der Lufteinlaß in Großaufnahme an der 103 217 beim Verwerter Theo Steil in Ehrang (September 2003). In früheren Jahren war an den sechs zu sehenden “Nippeln” noch ein Gitter angebracht, das größere Flugteile fernhalten sollte – Die Erfahrung hatte aber gezeigt, daß es auch ohne Gitter ging, weil größere Teile ohnehin durch den Fahrtwind weggeblasen wurden, daher war das Gitter in den letzten Jahren der 103 nur noch selten zu finden
Bild P1100831. Hier das Schild der 103 222 im Vergleich zu einem “normalen” Schild dieser Zeit, ein EDV-“Siebdruckschild” eines direkten Vorgängers der 103, und dazu noch mit derselben Ordnungsnummer, ein schöner Vergleich
Und hier die obere Hinterkante des 103-Nummernschildes. In der Mitte ist eine kleine Öffnung übergeblieben zum Einstecken einer Tagesschlußscheibe oder (früher) einer Oberwagenlaterne – aber nicht bei 200, da fliegt die ziemlich weit weg, die Laterne . . . Jedenfalls: Wie Gerüchte besagen, wurde sogar diese Öffnung genauestens vermessen und berechnet, an diesen Lokschildern war nichts dem Zufall überlassen > Und deshalb waren auch die Schilder der einzelnen Loks nicht ohne weiteres untereinander tauschbar, alle waren etwas anders und genau angepaßt an die jeweilige Lok
Hier der Vollständigkeit halber die Einschlagzahlen “103 222”, die möglicherweise noch vom Hersteller Krauss-Maffei stammen, eher aber aus dem AW Opladen, denn insgesamt gibt es mehr als zehn Schilder der Lok, die alle echt gelaufen sind, und nicht nur die zwei, die 1973 mitgeliefert wurden
Bild DIG34233. Diese Bilder müssen ein paar Tage älter sein als die von oben, da der Neulack noch nicht aufgetragen ist, also aus dem Januar oder Febrauar 1998. Sie zeigen aber den Aufwand, der an der 222 betrieben wurde
Bild DIG34235. Und sie zeigen deutlich, daß die Lok als 750 003 angeliefert worden war mit dem alten Untersuchungsdatum 06.12.89, welches revisionsdaten.de NICHT kennt! Und es kleben zwei “V” dahinter für “Verlängerung”, d.h. die Lok durfte ab dem 07.12.97 nicht mehr fahren
Bild DIG42718. Dieses wäre hier das nächste Bild für die Galerie gewesen mit dem Karteieintrag “2000” – aber das KANN nicht sein, diese Aufnahme ist sicher VOR der letzten HU im Februar 98 entstanden . . . (und zeigt den abgegriffenen Zustand). Die Lok verläßt gerade den Anschluß des BZA Minden, ihre Heimat-Dienststelle
Bild DIG25904. Wobei diese Aufnahme glaubwürdig aus dem Jahre 2000 sein dürfte, in dem die Lok immer noch einen sehr gepflegten Eindruck macht nach der Neulackierung im Febraur 98, also vor zwei Jahren
Bild IMG_14885. Nach meiner Kartei zu urteilen im November 2003 an selber Stelle wie gerade: Duisburg Hbf, aber in einem vollkommen anderen Erhaltungszustand – wobei das Novemberwetter hier auch zu Irritationen führen könnte
Bild DIG08514. Dann konnte die schöne Lok im Mai 2005 wieder angetroffen werden, aber unerwartet schnell und daher nicht ganz scharf. Wenig später war das gesamte im Hintergrund zu sehende ehemalige Industriegelände der Oberhausener Hütte HOAG neu bebaut
Bild DIG07008. Dann gab es im Mai 2006 ein Wiedersehen und wieder in EDG = Duisburg Hbf. Hier die Einfahrt des Messzuges
Bild DIG07012. Duisburg hat noch die älteren Bahnhofsschilder aus “türkiser” Zeit
Bild DIG07013. Die Lok macht einen gebrauchten, aber nicht ungepflegten Eindruck
Bild DIG07014. Und hier ist das Datum der letzten HU deutlich lesbar: 26.02.98 in KOPLX (AW Opladen). Auch der Eigentümerhinweis ist lesbar: Deutsche Bahn AG, Abteilung DB Systemtechnik Minden (ehemaliges BZA)
Bild DIG07015. Im Nostalgiebahnhof Duisburg bei ganz schwierigen Lichtverhältnissen. Die Übereinstimmungen mit dem Gegenlichtbild weiter oben sind schon frappierend, aber es ist sicher ein anderer Zeitpunkt
Bild DIG07020. Und da geht er wieder hin, der Messzug, in Richtung Düsseldorf/Köln, diesmal geschoben als Wendezug
Bild IMG_13911. Ebenfalls 2006, diesmal im September, beim Dampflokfest in Osnabrück. Und mit einer entscheidenden Änderung: Jetzt trägt die Lok wieder alte Bundesbahn-Embleme und auf den Stirnseiten sogar Gußschilder – wenn auch nicht in der “richtigen” Größe (die DB-Embleme der 103 waren etwas größer als bei anderen Loks)
Bild IMG_13912. Und wir sehen auch, wo diese Änderung wohl vorgenommen wurde: In Dessau! Denn inzwischen hat die Lok eine weitere Untersuchung erhalten mit Datum vom 17.07.06 und eben in LDX (Dessau), weil Opladen ja bereits seit 2003 stillgelegt war
Bild IMG_13914. Eine illustre Reihe von Lokomotiven, die alle zu ihrer Zeit etwas Besonderes darstellten
Bild P1050960. Dann gibt es ein Bild aus dem Jahre 2010, das von Markus Tigges (“KOPLX”) zur Verfügung gestellt wurde und auch in dessen Gästegalerie vertreten ist. Im Mai 2010 erreicht die 103 hier mit einem Schrottzug aus lauter 140ern von Seelze kommend den Bahnhof Opladen – und für alle 140 wird es eine Einbahnstraße zum Bender . . .
Bild P1200714. Dann kam der Oktober 2016. Ich hatte nichtsahnend Jemanden zum Banhof gebracht, aber gottseidank die Knipse dabei. Ich schlenderte einfach so mit auf den Bahnsteig, man kann ja nicht wissen, was die Bahn für Überraschungen auf Lager hält . . . und dann sehe ich am Bahnsteigende (für mich erstmalig) die “Graue Maus”, zu der unsere 103 222 seit 2015 mutiert ist! Sie kam Lz durch Duisburg und hatte einen kurzen Halt am Signal. So schnell bin ich schon lange nicht mehr gelaufen . . .
Bild P1200716. Dafür hats genau so eben gereicht, der Tf grinste etwas breiter als sonst und schon war sie wieder weg, die graue Maus . . .
Bild HHH_8740. Zwischenzeitlich ist es 2019 geworden und diesmal funktionierte eine Meldekette für eine Überführung eines neuen Berliner S-Bahn-Wagens zum Testring nach Wldenrath, die hier in der Einfahrt von Duisburg Hbf (an der Saarstraße) abgefangen werden konnte, wenn auch bei schwindendem Licht
Bild HHA_1994. Dann kam aber der große Tag: Die 103 war angekündigt mit ungefähren Fahrzeiten mit einem Personen-Sonderzug, in dem auch der ehemalige Rheingold-Aussichtswagen mitgeführt wurde! Solch eine Gelegenheit kann man nicht verstreichen lassen . . .
Bild HHA_1997. Am bekannten Fotopunkt “Wolkenburg” (zu dem es eine eigenständige Galerie gibt, und zwar HIER ) in Wuppertal-Elberfeld, ließ sich die selbstbewußte 103 vor einem schwarzen Gewitterhimmel erwarten
Bild HHA_2003. Und auch die Rückfahrt (von Bad Oeynhausen) sollte irgendwo an schöner Stelle geknipst werden, was aber nicht ganz so einfach war durch die Mistbaustelle am Hildener Kreuz, die eine ausreichende Anfahrt nach Wuppertal oder Gruiten be- und verhinderte. In meiner Not fuhr ich einfach weiter auf der A3 bis Opladen und schaffte so gerade noch die schnelle Durchfahrt im neuen Banhof von Opladen, nur wenige Meter vom ehemaligen AW entfernt, wo die Lok früher so oft war und wo ihr der Weg zum Bender erspart blieb – der Weg, der für fast alle ihrer Schwestern das Ende bedeutete
Bild HHA_4007. Im Februar 2020 ließ sie sich noch einmal in meiner Heimatstadt Duisburg blicken, diesmal mit der Überführung eines österreichischen Triebwagens, hier in einem linksrheinischen Bezirk von Duisburg, der Trompet heißt und an der Bahn von Krefeld über Moers nach Oberhausen liegt
Bild HHA_4016. Und etwa zur gleichen Zeit ergab sich noch eine weitere Aufnahme, ebenfalls im letzten möglichen Licht, und diesmal mit einer “bwegt”-Überführung in Rheinhausen-Ost, ebenfalls auf Duisburger Stadtgebiet im ehedem selbständigen Rheinhausen
Bild HHA_7957. Bis zum Oktober des Jahres 2020 mußte ich warten, um sie nochmals (zufällig) anzutreffen. Bei einem Umsteigehalt bei einer Bahnfahrt nach Südpreußen stand sie da einfach so Kognak und “rum” im Hbf von München und ließ sich mal in Ruhe von allen Seiten inspizieren, hier zum Beispiel bei den modernen LED-Lampen
Bild HHA_7958. Da steht sie einfach so da. Wie oft mag sie in ihrem früheren Leben in München gewesen sein? Die Zahl ist mindestens vierstellig
Bild HHA_7959. Hier mal von Nahem ihre komplette NVR-Nummer 91 80 6 103 222-6 D-RADVE, die sie (mit wechselnden Endungen) seit 2007 trägt
Bild HHA_7960. Und hier zeigt sie auch ihre letzten Untersuchungsdaten, wobei LDX wieder für Dessau steht. Sie hat also Frist bis Februar 2023
Bild HHA_7961. Da setht sie einfach so im Regen und auch ich bin für die Bilder reichlich naß geworden . . . egal . . . (Übrigens: Oben über der Lok hängt keine Kamera, wie man wohl meinen möchte, sondern ein Lautsprecher)
Bild HHA_7963. Da darf sie zusehen, wie ihre Nachfolger die modernen Beförderungsfälle kutschieren, während sie vom “Reisen” träumt
Bild HHA_7964. Wenn man Jemanden von Euch Besuchern jetzt gefragt hätte, ob die 103 222 noch Pufferverkleidungen hat oder nicht – Wer hätte wohl die richtige Antwort “Ja!” geben können?
BILD HHA_7965. Wir wünschen ihr noch viele Jahre unter Strom, egal in welchem Aussehen. An die eigenwillige und in ihrer Art vielleicht doch elegante Farbgebung hat man sich ja jetzt gewöhnt. Allzeit Gute Fahrt!
Bild HHA_7967. Und damit kommen wir zum Schluß nochmal auf die oben erwähnten Lokschilder und den mit ihnen verdeckten Lufteinlaß zur Klimaanlage. Wenn man die Lok so draußen sieht, kommt man nicht sofort darauf, daß es diesen Luftspalt immer noch gibt! Ich zum Beispiel habe dies nicht gewußt und war hier in München etwas platt ob dieses gelüfteten Geheimnisses
Bild HHA_7968. Genau wie früher die Nummernschilder, sitzt heute an gleicher Stelle eine Stahlplatte, die mit dem notwendigen Abstand die richtige Luftmenge reguliert. Einziger Unterschied ist die fehlende Kante an der Oberseite, die offenbar doch nicht so notwendig ist, wie dies früher immer vermittelt wurde
Hier ist eine solche Kante an der hinteren Oberseite eines 103-Schildes zu sehen. Das Loch in der Mitte ist quasi ein Notauslaß für starken Gegenwind und gleichzeitig Halterung für Tagesschlußscheibe oder (früher) eine Oberwagenlaterne – aber natürlich nicht mehr bei 200, da wär die Laterne ziemlich weit weggeflogen . . .
Bild IMG_17227. Früher waren es eben solche Schilder, die in vielen Fällen als einziges Bestandteil der Lokomotiven überbleiben, wenn diese schon längst zu neuen Waren umgeformt sind. Nichts an diesen Schildern, die aus den beschriebenen Gründen konstruktive Bestandteile sind, war Zufall: Alles war genau vermessen und berechnet
Bild IMG_17336. Und irgendwann können nur noch Modelle an Vergangenes erinnern. Hier eine “Sieck”-103 mit einem TEE-Wagen inmitten von zwei echten Nummernschildern (> mit dem Hinweis, daß es auch zu Sieck-Modellen einen eigenen Galerieordner gibt)

Und damit geht die 103- Galerie “017” zu Ende, ich danke für den Besuch und das Interesse, bis hier durchgehalten zu haben. Ich hoffe zudem, daß diese Galerie zu gegebener Zeit fortgeführt werden kann, wenn wieder einmal die “Graue Maus” irgendwo vorgemeldet wird! Bleibt gesund, bis bald.

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